Dezember 2011

Weihnachtsbrief von der Energieagentur

Eine besinnliche und gesegnete Weihnachtszeit wünscht Ihnen das Team der Energieagentur Region Göttingen.

Ihre

Doreen Fragel

 

Besinnliche Weihnachtszeit - Zeit für Sinn

Nach einem Endspurt Zeit für Besinnlichkeit finden – dies verspricht das Weihnachtsfest. Besinnlichkeit ist auch die Frage nach dem Sinn. Unser Sinn ist der Klimaschutz, die Lösung des vielleicht schwerwiegendsten Problems der Menschheit.

Trotz aller nationalen und internationalen Anstrengungen befindet sich die Klimaentwicklung global noch immer in einem ungebremsten Negativtrend. So erwartet das Carbon Dioxide Information Analysis Center für 2010 ein Rekordwachstum der Treibhausgasemissionen von 6 %. Dies ist ein schlimmerer Anstieg als das negativste Szenario des Intergovernmental Panel on Climate Change 2007 vorherberechnet hatte. Auch die Messungen der World Meteorological Organization bescheinigen eine neue Höchstmarke klimarelevanter Gase in der Atmosphäre. Zwischen 1990 und 2010 ist ein Anstieg um 29 % festgestellt worden. In Durban scheint in diesen Tagen die internationale Staatengemeinschaft bei der UN-Klimakonferenz ein weiteres Mal an der Vereinbarung verbindlicher Klimaschutzzielen zu scheitern.

Was jedoch können sinnvolle Rückschlüsse aus diesen ernüchternden Erkenntnissen für unser Handeln als Klimaschützer sein? Erstens dürfen wir uns nicht von dieser Situation lähmen lassen. Zweitens: Es ist keine Zeit zu verlieren. Drittens: Jeder Einzelne wird gebraucht und ist in der Lage seinen entscheidenden Beitrag zu leisten. Nur konstantes und konstruktives Handeln kann uns weiter bringen.

Für die Region Göttingen haben wir ein eindeutiges Ziel: 100 % erneuerbare Energien bis 2040. Es gibt Anzeichen dafür, dass dieses ehrgeizige Ziel verwirklicht werden kann. Politisch sind 100 % erneuerbare Energien bereits 2010 im Landkreis Göttingen beschlossen worden. Die Stadt Göttingen strebt bis 2020 mit ihrem Klimaschutzkonzept eine 40 prozentige Senkung der Treibhausgasemissionen an. Bei unserem Sommerfest bekräftigten über 100 regionale Akteure mit Ihren Statements ihre Motivation für dieses Ziel.

Welchen Nutzen stiften jedoch einzelne 100 % Erneuerbare-Energien Regionen, solang sich global noch keine Trendwende abzeichnet? Zum einen werden weitere Beweise für die Machbarkeit geschaffen. Zum Anderen entstehen Lerneffekte, die sich stufenweise von Region zu Region, von Land zu Land und von Staat zu Staat verbreiten können. In Deutschland gibt es bereits 78 vergleichbare 100 % Erneuerbare-Energien Regionen.

Wie leistet die Energieagentur dazu ihren Beitrag? Da wirklich jede helfende Hand gebraucht wird, ist es unsere Aufgabe, Bürgerinnen und Bürger dafür zunehmend zu begeistern und sie einzubeziehen. Als Grundlage wird durch Aufklärung und Beteiligung ein Bewusstseinswandel angeregt. Mithilfe konkreter Projektunterstützung und finanziellen Anreizen wie dem Förderprogramm Altbausanierung werden Hemmschwellen abgebaut. Durch Vernetzung und gezielte Informationen werden Akteure in ihren Bemühungen unterstützt. Bei Bedarf werden wirkungsvolle Projekte initiiert.

Wirtschaftlich gesehen ist Klimaschutz lokal und global eine sinnvolle Investition. Im strukturschwachen Süd-Niedersachsen wird beispielsweise durch Gewerbesteuern und Stärkung regionaler Betriebe Wertschöpfung betrieben. Bundesweit gesehen sind erneuerbare Energien ein Jobmotor und ein wachsender Exportmarkt. Den Einzelnen kosten erneuerbare Energien derzeit pro kWh 3,53 ct auf der Stromrechnung. Für 2012 wird eine Erhöhung der Umlage für erneuerbare Energien um 0,062 ct erwartet. Der gesamte Strompreis setzt sich zu 59,1 % aus Stromerzeugung, Stromtransport und Vertrieb, 16 % Mehrwertssteuer, 8,5 % Stromsteuer, 8,5 % EEG-Umlage, 7,4 % Konzessionsabgabe für die Einräumung von Wegerechten durch die Kommunen sowie 0,5 % für Kraft-Wärme-Kopplung zusammen (Stand 2010). Im Strompreis sind jedoch keine Zusatzkosten für Forschung, direkter Förderung und indirekter Förderung aller Energiequellen enthalten. Auch externe Kosten durch Klima-, Umwelt-, Gesundheits- und Materialschäden sind noch ausgeklammert. Die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien ist derzeit überwiegend bereits gegeben. Neue Onshore-Windenergieanlagen produzieren schon jetzt zu ähnlichen Kosten wie moderne Kohle- und Erdgaskraftwerke (ca. 7 ct/kWh). Photovoltaik-Strom kostet noch ca. 30 ct/kWh, jedoch wird ein Kostensenkungspotenzial auf 14 ct/kWh bis 2020 erwartet. Global gesehen sind erneuerbare Energien technisch und wirtschaftlich bereits heute zu 100 % realisierbar. Volkswirtschaftlich ist laut dem Report des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen Nicholas Stern der ungebremste Klimawandel um das 5 – 20 fache teurer als ein vollständiger Klimaschutz, weshalb man den Klimawandel als „too big to fail“ einstufen sollte. Die Kosten des vollständigen Klimaschutzes würden jährlich etwa 1 % des globalen Bruttoinlandsprodukts betragen. Dies wären im Jahr 2010 ca. 630.440.679.000 US-Dollar/a gewesen. Teilt man dies auf die 3.579.170.878 Personen, welche nach Weltbankdefinition ein hohes oder oberes-mittleres Einkommen haben, so würde jeder von diesen 176 US-Dollar pro Jahr zahlen. Dieser Personenkreis besteht überwiegend aus denjenigen Bürgerinnen und Bürgern, welche in den verursachenden Industriestaaten wie Deutschland leben. Ein von Treibhausgasemissionen befreites Energiesystem würde den direkten Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Emissionswachstum entflechten, womit ein katastrophaler Temperaturanstieg von über 5 Grad Celsius in diesem Jahrhundert noch vermeidbar wäre.

In der Praxis können wir nur hier und jetzt weitermachen und das Ziel des wirksamen Klimaschutzes nie aus den Augen verlieren, so wie auch die heiligen drei Könige den Weihnachtsstern nicht aus den Augen verloren haben.

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